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Mordor lässt grüßen: La Pointe du Raz

Vor der Pointe du Raz erhebt sich eine weiße undurchdringliche Wand.

Wie das Ende der Welt mutet die Aussichtsplattform Pointe du Raz an, die wir mehr zufällig bei unserer Fahrt Richtung Norden besichtigen. Dichte Nebelschwaden, unheilverkündende Spinnennetze und eine bedrückende Stimmung begleiten uns auf dem 80o m langen Weg bis zur Klippe, von der aus man bei klarer Sicht eine atemberaubende Sicht aufs offene Meer hat. Unsere Sicht reicht nicht weiter als wenige Meter…

Pointe du Raz: Der Touristenmagnet.

Die Pointe du Raz lockt Jahr für Jahr unzählige Besucher an.

Die Pointe du Raz (bret. Beg ar Raz; “raz” bedeutet ‘heftige Meeresströmung’) ist eine der „Grand sites nationals“, eine der bedeutenden Sehenswürdigkeiten Frankreichs, die man auf keinen Fall verpassen sollte wenn es einen in diese verlassene Gegend verschlägt. Das felsige Kap befindet sich im Westen der Gemeinde Plogoff im Département Finistère. Und tatsächlich scheint dies das Ende der Welt zu sein: Die schroffe Klippe, die sich rund 70 Meter über dem Meer erhebt, ist typisch für die bretonische Küste und zieht Jahr für Jahr tausende Besucher an. Bei gutem Wetter kann man über das weite Meer bis hin zur Île de Seine blicken und den heute unbewohnten Leuchtturm von Ar Men bewundern.

Pointe du Raz: Willkommen am Ende der Welt

Bei unserem Besuch herrscht alles andere als eine gute Sicht. Dichter Nebel und Nieselregen begleiten uns auf dem 800 m langen Weg vom Parkplatz über das von Heide bewachsene Gelände bis zur wilden Klippe über dem tosenden Meer. Unsere Sicht beträgt nicht mehr als einige Meter und wir haben das ungute Gefühl, dem Ende der Welt mit jedem Schritt ein Stück näher zu kommen. Von meinen Haaren rieselt das Wasser herunter und außer dem leichten Prasseln des Regens ist nichts zu hören. Die ersten paar hundert Meter ist der Weg von beiden Seiten mit Büschen bewachsen, in denen fette Spinnen in ihren Netzen auf ahnungslose Beute warten. Der Weg verliert sich wenige Meter vor uns in ein Nichts aus weißem, undurchdringlichen Nebel.

Dicke Spinnen warten auf ein ahnungsloses Opfer, das sich in dieses lebensfeindliche Gelände verirrt.

Führt der Weg zur Pointe du Raz ins Nichts?

Die Sicht vor der Pointe du Raz beträgt gleich null.

Nach einer Weile lichten sich die Büsche und geben den Blick frei auf ein von Feuer versengtes Land. Ohne Zweifel wäre dies die perfekte Kulisse für eine Weltuntergangszene: Mordor lässt grüßen. Die Stimmung wird immer drückender und der Nebel immer dichter.

Deprimierend: Die Heide scheint einem Brand zum Opfer gefallen zu sein,

Aus dem Nichts taucht ein Gebäude auf, ein Leuchtturm vielleicht oder ein militärischer Stützpunkt. Die Kreuzung dahinter führt auf direktem Weg zur Pointe du Raz – oder in die andere Richtung, wo es vermutlich sicherer ist. Wir erreichen die Klippe, von der aus man auf eine Wand aus Nebel schaut. Vom smaragdgrünen Meer ist nichts zu sehen, doch wir hören das Tosen des Wassers in 70 m Tiefe und ahnen, dass man hier besser nicht ausrutschen sollte. Touristen klettern über die vom Nebel rutschigen Felsen und versuchen die beste Perspektive zu finden, um den im Nebel nur erahnbaren Klippenvorsprung ins rechte Licht zu rücken. Ich bin einfach nur überwältigt von der niedergeschlagenen Stimmung, die sich hier über die Gemüter legt.

Die Pointe du Raz ist ein deprimierender Ort.

Die Pointe du Raz ist nichts für schwache Nerven.

Vor der Pointe du Raz erhebt sich eine weiße undurchdringliche Wand.

Man kann das Meer unter der Pointe du Raz nur erahnen.

Die Hölle von Plogoff

Tatsächlich ranken sich um die Pointe du Raz zahlreiche Legenden. Angeblich soll es hier einen Stollen geben, der durch das Meer in das Kap gegraben worden ist und in den die Ertrunkenen zurückgespült werden: Ihr Stöhnen soll man in so manch einsamer Nacht vernehmen können. Der Stollen trägt den einprägsamen Namen „Die Hölle von Plogoff“, L’enfer de Plogoff.
Außerdem gibt es zahlreiche Sagen, etwa über König Gradlon und sein schwarzes Pferd Morvark, dessen Hufgeklapper in manchen Nächten heute noch zu hören sein soll. Oder die über Gradlons Tochter, die schöne Darhut, deren ausschweifendes Leben die prächtige Stadt Ys ins Verderben geführt haben soll.

Wir klettern noch ein wenig auf den Felsen herum, immer darauf bedacht, auf den glitschigen Felsen nicht den Halt zu verlieren und in unsichtbare Tiefen zu stürzen. Nachdem auch wir Fotos aus allen möglichen Perspektiven geschossen und das geheimnisvolle Felskap erkundet haben, kehren wir zurück zu unserem Bus, ins Trockene und Warme. Mit Sicherheit werden wir noch einmal zurückkehren, um die Pointe du Raz bei klarem Wetter zu erleben oder um dem Hufgeklapper von König Gradlons unbezähmbaren Pferd zu lauschen…

 Gut zu wissen:

Die Pointe du Raz ist nicht mit dem Auto erreichbar. Man parkt auf einem Parkplatz etwa 800 m vor dem Aussichtspunkt und legt den Rest zu Fuß zurück (etwa 15 Minuten Fußweg). Der Eintritt pro Auto beträgt 6 Euro. Am Parkplatz befinden sich außerdem einige Restaurants sowie Souvenirläden.

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