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Gestrandet in Kuala Lumpur: Das indische Märchen vom Visa on Arrival

Eine Reise nach Indien kann ganz schön nervenaufreibend sein. Denn aus irgendeinem Grund machen es die Inder extra kompliziert, wenn es um die Einreise geht. Zwar hatte ich mein Visum bereits im März beantragt; Julius brauchte für seinen Aufenthalt jedoch noch ein Touristenvisum. Aber kein Problem, schließlich hatte ich vor unserer Abreise im Internet gelesen, dass Indien im November das Visa on Arrival eingeführt hat. Als wir drei Monate später jedoch in Bali ins Flugzeug steigen wollen, teilt die Fluggesellschaft uns mit, dass wir ohne Visum nicht nach Delhi fliegen dürfen: Ohne Visum im Reisepass würde Indien uns die Einreise verweigern; schlimmstenfalls würden sie Julius in irgendein Flugzeug stecken und nach Hause schicken. Das sogenannte Visa on Arrival ist nämlich gar kein Visum, das man am Flughafen ausgestellt bekommt, wie es der Name vermuten ließe. Nein, in Indien bedeutet Visa on Arrival, dass man sein Visum mindestens vier Tage vor der Einreise beantragen muss. Nach langem Hin und Her lässt die Fluggesellschaft uns zumindest bis nach Kuala Lumpur fliegen, wo wir den Weiterflug nach Delhi umbuchen und auf Julius‘ Visum warten müssen. Dieses muss online beantragt und bezahlt werden, der Aufwand ist lächerlich groß; man muss ein Passbild und eine Kopie des Reisepasses hochladen, tausende Fragen beantworten und dann noch die Bezahlung online durchführen. Vor allem die Bezahlung kann einem den letzten Nerv rauben, wenn es zum wiederholten Mal nicht klappt.
Tatsächlich sind wir nicht die einzigen, die der Name des Visums in die Irre geführt hat. Deshalb hat die indische Regierung auch beschlossen, den Namen des Visums in E-Tourist Visa zu ändern. SONY DSC

Bahnhof Kuala Lumpur

Stuck in Kuala Lumpur

Nun gut, auf diese Weise verbringen wir unerwartet zwei Tage in Kuala Lumpur und entdecken das netteste Hostel der Stadt: Das Birdnest in Chinatown. Nicht unbedingt das sauberste Hostel, aber dafür teilt man sich Küche und Bad mit Backpackern und Künstlern aus aller Welt, und Chinatown ist nur einen Katzensprung entfernt. Während wir auf Julius‘ Visum warten, wollen wir natürlich auch etwas von Malaysias Hauptstadt sehen. Neben den üblichen Verdächtigen wie Chinatown und den Twin Towers möchten wir gerne noch etwas Kuala Lumpur- typisches sehen und fahren zum Chow Kit Market, wo es neben Obst und Gemüse auch so ziemlich alles andere zu kaufen gibt.

Chinatown bei Nacht

Kuala Lumpur  Chinatown bei Nacht

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Erdnüsse

Verkäuferin Kuala Lumpur

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grüne chilis

Fisch

Samstag mittag dann, pünktlich vor Abflug, halten wir das E-Tourist Visa in den Händen. Ready for India! Auf dem Rückweg vom Chowkit Market versuchen wir unsere Busfahrt zum Flughafen zu organisieren und erfragen in einem Copyshop den Weg zur Bushaltestelle. Die Frau am Tresen zeigt in eine Richtung und sagt, die Haltestelle befinde sich direkt neben „Ma-donna“. Ich frage sicherheitshalber nochmal nach: Neben einer Madonna-Statue? Sie nickt nur, „Yes, yes, Ma-donna. Only five minute walk.“ Wir marschieren also los und halten nach einer Madonna-Statue Ausschau. Wir laufen und laufen, doch nirgendwo ist eine Madonna zu sehen. Unterwegs fragen wir andere Einheimische nach der Madonna, und sie alle zeigen in dieselbe Richtung. Allmählich wird die Zeit knapp, denn wir müssen das Ticket kaufen, dann zurück zum Hostel, unser Gepäck holen und dann wieder zurück zur Bushaltestelle. Fast schon wollen wir die Suche aufgeben und ein Taxi zum Flughafen nehmen, da stehen wir plötzlich vor einem riesigen goldenen M. McDonalds!!! Und daneben befindet sich die Bushaltestelle.

Eine Stunde später sitzen wir im Bus zum Kuala Lumpur Flughafen, mit dem indischen Visum im Gepäck und noch nicht ahnend, dass uns noch eine sehr lange Reise bis Dharamsala bevorsteht.

Gut zu wissen:

  • Um in Indien einzureisen, benötigst du ein Visum. Das 30-Tage Visum muss mindestens vier Tage vor beabsichtigter Einreise beantragt werden unter https://indianvisaonline.gov.in/visa/tvoa.html . Meiner Erfahrung nach dauert es in den meisten Fällen nur 24 anstatt 72 Stunden, bis das Visum ausgestellt wird. das Visum ist ab Ausstellung gültig. Viele Reisende haben Probleme mit der Online-Bezahlung – wenn es zum wiederholten Mal nicht klappt, ruf am besten die Hotline an, meist können sie weiterhelfen. Für die Beantragung brauchst du ein Passbild sowie einen Scan deines Reisepasses und ein wenig Geduld. Das Visum kostet ca. 56 USD.
  • Das Birdnest befindet sich in der 64, Jalan Hang Kasturi
    50050 Kuala Lumpur.
  • Ca. 5 Minuten fußläufig entfernt befindet sich Chinatown (allerhand Fakes, z.B. Turnschuhe, Uhren, und Sonnenbrillen) sowie der Central Market (Kunst, Handwerk und Souvenirs)
  • Der Chow Kit Market befindet sich in der Jalan Tuanku Abdul Rahman, 50100 Kuala Lumpur. Hier gehen die Einheimischen einkaufen; das heißt man begegnet so gut wie keinem Touristen und bekommt ein bisschen mehr vom „echten“ Kuala Lumpur mit.

5 Kommentare

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  2. Hallo Shirani,
    macht echt Spaß deine Texte zu lesen!!
    Viele Grüße auch von Benny und Manu. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder, wenn du wieder da bist.
    Bis dahin, alles Liebe und eine gute Zeit,
    Jana

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    • Hallo Jana, oh danke, das freut mich zu hören 🙂 Ich bin ab August wieder im Lande und freue mich auch, euch alle wiederzusehen! Ganz liebe Grüße und bis bald!

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  3. Touristenvisum Indien ist ein Fall für sich. Ich glaube, ich habe einen ganzen Tag dafür gebraucht. Die wollen u.a. den Vornamen des Vaters wissen, der schon lange tot ist. Dann lädt man den Mist endlich hoch, und dann bricht die Verbindung zusammen und das Spiel geht von neuem los. Auch das Passbild hat eine abartige Größe. Wenn man es beim Fotograf verlangt, kommt sofort ein „Ach, Sie fahren nach Indien“. Wenn das die Nation ist, mit der man uns Angst macht, hinsichtlich EDV, dann können wir uns entspannt zurücklehnen. Meine Frau war im Außenhandel tätig und die beschreibt Indien – nach den Chinesen – als sehr bürokratisch und umständlich. Mein persönlicher Eindruck vor Ort hat das bestätigt.

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    • Hehe, wenn du das mit dem Passbild und den tausend Fragen schlimm fandest, dann versuch mal, das Visum auf der Seite online zu bezahlen. Da fragt man sich wirklich, wieso Indien als „DIE IT-Nation“ bezeichnet wird, wenn die Seite schon bei einer simplen Online-Bezahlung zusammenbricht. Auch abenteuerlich: Eine indische SIM-Karte zu kaufen. Selbst dafür musste ich ein Passbild sowie die Kopie meines Reisepasses abgeben… Bürokratischer geht’s kaum!

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