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Kurztrip nach Dresden: Zwischen Altstadt, Neustadt und der Elbe

Dresden Altstadt Frauenkirche Spitze

Dresden hat in letzter Zeit nicht gerade mit positiven Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Was schade ist, denn bei all den schlechten Nachrichten wird oft vergessen, dass Dresden eine unglaublich schöne und sehenswerte deutsche Stadt ist. Von der geschichtsträchtigen Altstadt über die ziemlich lässige Neustadt bis hin zur wunderschönen Natur in nächster Nähe bietet Dresden eigentlich alles, was man von einem Wochenendtrip erwartet. 

Dresden Neustadt – Liebe auf den ersten Blick

Dresden ist an und für sich schon eine sehr schöne Stadt mit all ihren prachtvollen Altbauten, Villen und Bauwerken. Doch beim Anblick der Neustadt ist es ganz um mich geschehen: Die runtergerockten Fassaden mit ihren Graffitis und halb abblätternden Postern, die urigen Cafés und Lädchen sowie die verwinkelten Hinterhöfe erwecken in mir den Wunsch, sofort nach Dresden zu ziehen. Wie gut, dass wir uns für unseren Aufenthalt eine Wohnung in der Louisenstraße und damit mitten im Zentrum des Viertels gemietet haben. So können wir uns wenigstens vorübergehend ganz wie Zuhause fühlen.

Dresden Neustadt

Dresden Neustadt ist so etwas wie das Szene- und Ausgehviertel der Stadt. Hier tummeln sich lauter kleine Bars, Cafés und bunte Läden, in denen selbstgenähte Kleidung und niedlicher Krimskrams verkauft wird. Das Ganze erweckt den Anschein eines studentischen Kneipenviertels; auf der Straße begegnen uns hauptsächlich alternative Menschen und junge Familien. Die Hausfassaden sind voll von Postern und Stickern mit linksalternativen Sprüchen; die Stromkästen bunt bemalt.

„Wohlstand ist, wenn die Leute mehr Uhren haben als Zeit.“

Eigentlich ist mit Dresden Neustadt das Stadtviertel gemeint, das sich am rechten Ufer der Elbe gegenüber der Altstadt erstreckt. Bis zum achtzehnten Jahrhundert hieß dieses Viertel „Altendresden“, nach einem verheerenden Brand im Jahr 1685 und dem Wiederaufbau wurde es in „Neue Stadt bey Dresden“, kurz Neustadt umbenannt. Wenn von Neustadt die Rede ist, ist damit aber meist die Äußere Neustadt gemeint, die sich an der Straßenkreuzung zwischen Alaun- und Louisenstraße befindet.

Weil die nächsten beiden Tage mit Wanderausflügen verplant sind, wollen wir sowohl die Neustadt als auch die Altstadt an einem Tag erkunden. In der Louisenstraße direkt gegenüber unseres temporären Hauseingangs Wohnung befindet sich ein bezaubernder Reisebuchladen mit Reiseführern und Bildbänden aus aller Herren Länder, in dem ich erstmal ausgiebig stöbere, bevor es weiter auf Entdeckungstour geht. In der Neustadt ist vor allem die Kunsthofpassage zwischen Görlitzer Straße und Alaunstraße sehenswert; eine Ansammlung von Innenhöfen, in denen es allerlei niedliche Läden, Restaurants und Kunsthandwerkerläden zu entdecken gibt.

Um die Ecke, in der Görlitzer Straße bei „Eva’s Pizza“ essen wir Pizza für 5 Euro, um uns für den Ausflug in die Altstadt zu stärken. In der Neustadt finden sich aber noch jede Menge anderer Restaurants und Imbisse, von der Dönerbude über den immer gut besuchten Falafel Wagen bis hin zum veganen Bio-Imbiss. Ein Laden in Dresden Neustadt, der es mir ganz besonders angetan hat, ist die Baumstriezel Manufaktur in der Alaunstraße. Die handgerollten Küchlein gibt es in süßen und herzhaften Varianten. Sie sind der perfekte Snack, um einen Tag in der Neustadt ausklingen zu lassen.

Dresden Neustadt Kunsthofpassage

Dresden Altstadt: Viel Geschichte, wenig Farbe

Um in den drei Tagen unseres Aufenthaltes so mobil wie möglich zu sein, haben wir uns Leihfahrräder gemietet. Dies war eine super Entscheidung, die ich jedem Dresden Besucher ans Herz lege: Mit den Fahrrädern brauchen wir nur ca. 15 Minuten von unserer Wohnung bis zur Altstadt auf der anderen Seite der Elbe. Der Weg ist einfach zu finden und führt fast ausschließlich geradeaus. Als wir die Augustusbrücke überqueren, die über die Elbe auf direktem Weg in die Altstadt führt, bietet sich uns so ein schöner Anblick, dass wir erst einmal Halt machen und das Dresdner Altstadtpanorama auf uns wirken lassen. So viele schöne Gebäude auf einem Haufen ist der Kölner nicht gewohnt.

Auf der anderen Elbseite angekommen finden wir uns inmitten eindrucksvoller, alter Bauwerke wieder. Dort stehen das Residenzschloss und die Semperoper, der Zwinger, die Frauenkirche und die Kreuzkirche so eng beieinander, dass einem vom Hochschauen ganz schwindelig wird. Als wir den weitläufigen Vorplatz der Frauenkirche erreichen, stimmt eine Sängerin das Ave Maria an, was den erhabenen Eindruck der Kirche noch verstärkt.

Dresden Altstadt

Dresden Altstadt Frauenkirche

Dresden Altstadt bildet das Kontrastprogramm zur Neustadt: Hier scheint alles sauber, weitläufig und beinahe schon spießig. Auch das Klientel ist hier ein deutlich anderes: Zwischen all den beeindruckenden Bauwerken tummeln sich zahlreiche Touristen in Form von Pärchen, Asiaten mit teurer Fotoausrüstung sowie kleineren und größeren Gruppen, die einem der kundigen Stadtführer hinterhertrotten. Außerdem habe ich den Eindruck, dass ich hier mit meinem nicht ganz so deutschen Aussehen deutlich mehr auffalle als in der bunten Neustadt. Ich bilde mir sogar ein, von der ein oder anderen Person ungewöhnlich lange angeschaut zu werden, aber vielleicht reagiere ich da auch überempfindlich. Fakt ist, dass es in den Stadtteilen, die wir gesehen haben, auffällig wenig Farbe gibt.

Leider haben wir für unseren Dresden Kurztrip ein recht kühles und windiges Wochenende gewählt, so dass wir innerhalb kürzester Zeit komplett durchgefroren sind und einen Abstecher in die Einkaufsstraße machen, um uns in den Geschäften aufzuwärmen.

Dresden Altstadt

Das Elbsandsteingebirge

Auch wenn Dresden mich wirklich beeindruckt hat; das wahre Highlight befindet sich etwa 40 km nordöstlich der Stadt. Dort nämlich befindet sich das wunderschöne Elbsandsteingebirge mit seinen faszinierenden Felsformationen. Vor Jahren habe ich einmal zufällig eine Reportage gesehen, in der es um das Elbsandsteingebirge ging. Neben den beeindruckenden in die Höhe ragenden Felsen war dort eine Brücke aus Stein zu sehen, die über eine Schlucht führt. Seit diesem Tag wollte ich ins Elbsandsteingebirge und diese Brücke einmal mit eigenen Augen sehen.

Am Samstag nehmen wir an einer geführten Wanderung teil, bei der auch der Transport von Dresden ins Elbsandsteingebirge und zurück mit inbegriffen ist. Die vierstündige Tour führt uns einmal um den Rauenstein, der mit seinen 304 m Höhe sowohl den niedrigsten als auch den nördlichsten Tafelberg des Elbsandsteingebirges darstellt.

Es ist recht neblig und feucht an diesem Tag, doch die Natur hier oben zeigt sich dennoch von seiner besten Seite und offenbart saftiges Moos und Wälder in den leuchtendsten Farben. Durch neblige Waldstücke und an schroffen Sandsteinfelsen vorbei führt der Weg zu mehreren Aussichtsplattformen, von denen wir einen schönen Ausblick auf das Elbtal und das Elbsandsteingebirge genießen. Der Höhepunkt der Wanderung ist eine Abseilaktion von einem ca. 15 m hohen Felsen. Anschließend gibt es Mittagessen in der ansässigen Berggaststätte Fels Rauenstein (von April bis Oktober täglich ab 10 Uhr geöffnet).

Moos im Elbsandsteingebirge

Brücke auf dem Rauenstein im Elbsandsteingebirge

Die Wanderung um den Rauenstein ist wunderschön, doch die Brücke und die umliegenden, mystisch aus der Schlucht aufragenden Felsen bekommen wir an diesem Tag nicht zu sehen. DA ich aber so kurz vor meinem Ziel nicht einfach aufgeben kann, geht es am Sonntag vor der Heimreise nach Köln abermals ins Elbsandsteingebirge; dieses mal mit eigenem Auto und vollkommen unabhängig. Von Dresden Neustadt aus geht es die knapp 40 Kilometer auf direktem Weg zu der Brücke, die seit Jahren auf meiner persönlichen Bucket List steht: Die Basteibrücke.

Wie es auf der Basteibrücke war und ob sie wirklich so beeindruckend ist, wie ich sie mir immer vorgestellt habe, könnt ihr hier nachlesen.

Mehr Infos:
  • Mehr Bilder von Dresden Neustadt findet ihr hier: neustadtspaziergang.de
  • Unsere Leihfahrräder waren von SZ Bike. Es macht Sinn, vorher zu schauen, ob die Stationen für die Rückgabe in der Nähe eures Hotels bzw. eurer Wohnung liegen. Ansonsten macht es vielleicht mehr Sinn, mit der Bahn zu fahren.
  • Um Dresden zu erkunden, braucht ihr keinen Stadtführer. Die Altstadt ist so übersichtlich, dass ihr automatisch an den Sehenswürdigkeiten vorbeikommt. Es lohnt sich aber, sich nach Vorstellungen in der Semperoper oder dem Zwinger zu erkundigen. Wir haben es nicht geschafft, aber ich stelle es mir toll vor, ein Ballettstück oder ein Konzert in solch einer schönen Kulisse zu sehen.
  • Ins Elbsandsteingebirge gelangt ihr von Dresden aus entweder mit dem Auto über Lohmen (ca. 45 Minuten) oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln (vom Hauptbahnhof mit der S1 zum Kurort Rathen/ Fähre nach Niederrathen/ Fußweg zur Bastei, ca. 75 Minuten).