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Der Zauber der Stille – Ein Schweigeretreat in Nilambe, Sri Lanka

Hoch oben auf einem Berg, etwa eine Stunde von Kandy entfernt liegt das Nilambe Meditationszentrum. Auf der Suche nach einem Vipassana Zentrum in Sri Lanka fand ich diesen friedvollen Ort, an dem mehrtägige Schweigeretreats in englischer und singhalesischer Sprache angeboten werden. Zu Beginn meiner letzten Woche in Sri Lanka machte ich mich auf den Weg nach Nilambe, um mich eine Woche lang der Meditation und Stille zu widmen. 

Ankunft im Nilambe Meditationszentrum

Der Weg von der Südküste nach Nilambe ist weit, und ich breche noch vor dem Morgengrauen auf, um rechtzeitig zu Beginn des Seminars das Meditationszentrum zu erreichen. Neun Stunden, zwei Zugfahrten und eine kurvige Taxifahrt später komme ich völlig übermüdet an. Ich betrete das Gelände und folge der Beschilderung zur Rezeption. In einer Sitzecke vor dem kleinen Häuschen füllen bereits einige andere Teilnehmer ihre Anmeldeformulare aus. Ich melde mich in dem kleinen Raum, der als Rezeption dient und lerne den Leiter des Meditationszentrums und unseren Lehrer für die nächsten fünf Tage kennen: Upul Nishanta Gamage.

Upul ist etwa Anfang 50 und in ein weißes Gewand gekleidet. Er hat ein rundes, freundliches Gesicht und wenn er spricht, wackelt sein Kopf hin und her. Nachdem ich ihm meine Anmeldung ausgehändigt habe, drückt er mir eine Wolldecke und ein Bettlaken in die Hand. Dazu reicht er mir zwei dünne Wachskerzen und eine Schachtel Streichhölzer. Diese werden neben der Taschenlampe in meinem Rucksack die einzige Lichtquelle für meine Zeit in Nilambe sein. Denn hier oben gibt es keine Elektrizität. Das bedeutet kein Licht, kein Internet und kein Handyempfang für die nächsten fünf Tage.

Mein Zimmer teile ich mir mit Cristelle, einer Französin Ende 40. Das Zimmer befindet sich in einem Bereich des Meditationszentrums, zu dem Männer keinen Zutritt haben. Die Ausstattung ist sehr einfach: Das Bett besteht aus einer Steinpritsche und einer dünnen Schaumstoffmatratze, darüber hängt ein muffiges türkises Moskitonetz. Es gibt ein kleines Fenster, durch das kaum Licht dringt, und einen Wandschrank, in dem abends die Kakerlaken rasseln. Im Bad neben der Toilette steht eine Tonne mit Wasser, darin schwimmt ein kleiner Eimer zum Spülen. Als ich den Eimer zum ersten Mal heraushole, kommt mir ein kleiner Frosch entgegen. Ich nutze die Zeit bis zum Beginn des Seminars, um noch ein kleines Nickerchen zu machen.

Nilambe Meditationszentrum Sri Lanka

Nilambe Meditationszentrum Sri Lanka

Vorstellungsrunde: Die anderen Teilnehmer

Um 15 Uhr beginnt die Vorstellungsrunde in der großen Meditationshalle. Die Sitzbänke sind hufeisenförmig angeordnet, so dass die Teilnehmer sich gegenüber sitzen. Am offenen Ende sitzt Upul vor einem Schrein, auf dem eine große Buddhastatue thront. Im Meditationssitz und mit geschlossenen Augen lauscht er unseren Worten.

Jeder soll ein paar Sätze zu sich und seinen Meditationserfahrungen sagen. Ich will die Geschichten der anderen Teilnehmer eigentlich gar nicht hören, um mir nicht schon im Vorfeld eine Meinung über sie zu bilden. Und sprechen möchte ich eigentlich auch nicht, aber mir bleibt nichts anderes übrig.

Von den etwa 25 Teilnehmern kommen erstaunlich viele aus Deutschland. Der Hintergrund ist ganz unterschiedlich: Einige haben noch überhaupt keine Meditationserfahrung und andere meditieren schon seit vielen Jahren. Es sind etwas mehr Frauen als Männer anwesend, das Alter ist bunt gemischt. Eine Schweizerin berichtet in holprigem Englisch, sie habe seit einem Vorfall vor einigen Jahren Zugang zur anderen Welt und könne andere Wesen sehen. Ich denke mir meinen Teil dazu, obwohl ich gar nichts denken möchte.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Nach der Vorstellungsrunde beginnen wir gleich mit der ersten Meditation. Upul gibt uns die Aufgabe, unsere Gedanken zu beobachten und herauszufinden, ob unser Geist sich gerade in der Vergangenheit oder in der Zukunft befindet. Denken wir gerade darüber nach, wie der Tag bisher war oder was später noch passieren wird? Sobald wir bemerken, dass unsere Gedanken sich in der Vergangenheit oder Zukunft verlieren, sollen wir das einfach benennen: Past. Oder Future. Das ist alles. Das einfache Benennen führt dazu, dass der Geist sich ertappt fühlt und augenblicklich wieder in die Gegenwart zurückkehrt.

Mein Geist ist nach der langen Anreise allerdings noch gar nicht richtig angekommen und mein Körper nutzt das stille Sitzen sofort aus, um herunterzufahren. Es dauert nicht lange und ich nicke ein.

Um sechs Uhr gibt es Abendessen in der kleinen Küche neben der Meditationshalle: Ungetoastetes Weißbrot, wahlweise mit Marmelade oder dem widerlichem Marmite, dazu etwas zu früh gepflückte Bananen. Ich zwinge mich, zwei Scheiben des pappigen Brotes und eine grüne Banane zu essen und schaue dem Sonnenuntergang von der Terrasse aus zu. Von Nilambe aus hat man einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge.

Zurück in die Gegenwart

Nach dem Essen stehen Chanten, Meditation und Gruppendiskussion auf dem Plan. Dieses Mal ist die Meditationshalle von Kerzen hell erleuchtet. Der Boden ist mit Bastmatten ausgelegt, auf denen Meditationskissen liegen. Vor jedem Kissen sind eine Kerze sowie ein kleines Heft mit Liedtexten platziert. Das Gesicht zum Schrein gerichtet, nehmen wir auf dem Boden Platz.

Gemeinsam singen wir ein buddhistisches Mantra, dessen komplizierte Melodie und merkwürdige Intonation niemand außer Upul selber kennt. Das Ganze klingt schrecklich schief und obwohl ich sehr gerne chante, bereitet mir dieser Teil des Programms ganz und gar keine Freude. Schließlich weist Upul uns an, die Bastmatten still wieder einzurollen und auf den Sitzbänken Platz zu nehmen, um mit der Meditation zu beginnen. In seinem charmanten, singhalesisch gefärbten Englisch erklärt uns Upul, dass es beim Meditieren darum gehe, im Hier und Jetzt zu sein.

Angst und Depression: Der größte Feind des Menschen

Wir Menschen sind andauernd damit beschäftigt, der Vergangenheit nachzuhängen oder Pläne für die Zukunft zu schmieden. Die schlimmste Krankheit des Menschen ist für Upul deshalb nicht etwa der Krebs. Die schlimmsten Krankheiten sind Angst und Depression. Angst verspüren wir, wenn wir mit unseren Gedanken in der Zukunft leben und uns ständig ausmalen, was alles passieren könnte. Depression wiederum entstehe dann, wenn wir in der Vergangenheit leben und längst vergangenen Zeiten nachtrauern, anstatt loszulassen und in der Gegenwart zu leben.

Wieder sitzen wir eine Stunde lang da und versuchen festzumachen, ob unser Geist sich in der Vergangenheit oder in der Zukunft befindet. Und wieder besteht meine größte Herausforderung daraus, nicht ständig einzunicken. Nach der Meditation ist Zeit für eine Gruppendiskussion. Das ist die einzige Zeit des Tages, an der wir sprechen dürfen. Ich will einfach nur ins Bett und kann es nicht fassen, dass tatsächlich Fragen gestellt werden, auf die Upul dann in schier endlosen Monologen antwortet. Gegen halb 10 falle ich endlich völlig erschöpft ins Bett.

Tag 2: Die Stille in der Früh

Der Alltag in Nilambe ist streng getaktet: Um 4:45 ertönt der Wake-Up Gong, und um 5 Uhr erfolgt die erste Meditation des Tages. Es ist noch stockfinster draußen und ich brauche meine Taschenlampe, um den Weg zur Meditationshalle zu finden. In der Halle angekommen wickle ich mich in meine Wolldecke und widme mich abermals der schwierigen Aufgabe, meinen Geist ins Hier und Jetzt zu bitten. Doch meine Gedanken verlieren sich schon nach kurzer Zeit in kleinen Geschichten, die zu Träumen werden und ich dämmere schon wieder weg.

Nach der Meditation gibt es heißen Tee in der Küche. Ich genieße die Stille und die Freiheit, mit niemandem reden zu müssen. Jeder Teilnehmer trinkt schweigend und beinahe andächtig seinen Tee. Kein lästiger Small Talk, kein unnötiges Gebrabbel am frühen Morgen – daran könnte ich mich gewöhnen.

Von 6:30 Uhr bis 7:30 Uhr steht Mindfulness in Motion auf dem Programm. In diesem Zeitraum haben die Teilnehmer Zeit, eigenständig Yoga, Tai Chi oder Qigong zu praktizieren. Ich überspringe diesen Teil und nutze die Stunde bis zum Frühstück, um noch etwas Schlaf abzubekommen. Das Frühstück von 7:30 bis 8:00 Uhr fällt etwas üppiger aus als das Abendessen: Es gibt warmen Haferbrei mit Früchten und Nüssen. Um 8 Uhr versammeln wir uns schließlich zur anderthalbstündigen Working Meditation.

Working Meditation – Aufgehen in der Arbeit

Bei der Working Meditation geht es darum, eine Arbeit zu verrichten, ohne an die Früchte der Arbeit gebunden zu sein. Wer schon einmal auf einem Yoga Retreat war, kennt diese Form der Arbeit vielleicht unter dem Begriff Karma Yoga. Es ist eine Übung, bei der es wieder einmal darum geht, im Moment zu leben und seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf das zu richten, was man gerade tut.

Ich schnappe mir einen Rechen aus der Abstellkammer neben der Küche und beginne damit, den Garten von altem Laub zu befreien. Das Nilambe Meditationszentrum ist eigentlich eher eine große Gartenanlage mit hübsch angelegten Wegen und kleinen Sitzgelegenheiten. Der ideale Rückzugsort, um sich fernab der Zivilisation auf sein Innerstes zu konzentrieren. Und der perfekte Ort, um in schöner Umgebung sein Bewusstsein zu schulen.

Meditieren wie ein Zombie

Von 9:30 Uhr bis 11:00 Uhr erfolgt die nächste geführte Meditation. Dieses Mal wechseln wir von sitzender zu stehender zu gehender Meditation. Das Aufstehen ist für mich eine Qual. Ich bin immer noch total müde und würde mich am liebsten sofort wieder hinsetzen. Bei der gehenden Meditation schreiten wir alle unglaublich langsam im Uhrzeigersinn durch die Meditationshalle, den Blick auf den Boden gerichtet. Ich fühle mich wie ein Zombie, der stumpf und in Zeitlupe hinter den anderen Zombies herwandelt.

Anschließend folgt ein 45-minütiger Vortrag, in dem uns Upul mehr über den Buddhismus und die Möglichkeiten der Meditation erzählt. Laut Upul gibt es drei Möglichkeiten der Meditation: 1. Feststellen, ob der Geist sich in der Vergangenheit oder der Zukunft befindet. 2. Die Umgebung wahrnehmen und den Geräuschen des Windes, des Wassers und der Tiere lauschen. 3. Den Körper wahrnehmen und den Atem oder die Berührung der Kleidung auf der Haut spüren.

Das Spiel mit dem Kind

Von 12 Uhr bis 14 Uhr gibt es eine zweistündige Mittagspause. Für mich bedeutet das: Schnell essen und dann Schlaf nachholen. Erst nach einem ausgedehnten Nickerchen und der anschließenden Gehmeditation (14:00 Uhr- 14:30 Uhr) und Gruppenmeditation (14:30 Uhr – 15:30 Uhr) fühle ich mich zum ersten Mal richtig wach und angekommen. Die zweite Working Meditation von 15:30 bis 16:30 lasse ich sausen und nutze die Zeit stattdessen zum Lesen. Das ist genau die richtige Entscheidung, denn in der folgenden Gruppenmeditation von 16:30 bis 17:30 schaffe ich es zum ersten Mal, nicht einzuschlafen und mich stattdessen auf das Wesentliche, die Meditation zu konzentrieren.

Wieder geht es darum, festzumachen, ob wir uns gedanklich in der Vergangenheit oder der Zukunft befinden. Upul sagt, wir sollen nicht so streng mit uns sein, sondern das Ganze eher wie ein Spiel sehen. Mir kommt mein Geist vor wie ein aufmüpfiges Kind, das entweder ungeduldig zieht und zerrt (Zukunft) oder sich von mir hinterherziehen lässt (Vergangenheit), aber nie brav an der Hand neben mir herläuft. Unermüdlich ermuntere ich meinen kindlichen Geist, in die Gegenwart zurückzukehren.

Und tatsächlich funktioniert es schon deutlich besser, jetzt, da ich zur Abwechslung einmal wach bin. Die kurzen Momente, in denen ich mir meiner abschweifenden Gedanken bewusst werde, sind Momente der Klarheit, die mich mit einem warmen Glücksgefühl durchströmen. Nach der Meditation empfiehlt uns Upul, noch eine Weile im warmen Licht der untergehenden Sonne durch den Garten zu wandern.

Wie auf Drogen

Die Abendmeditation ist zeitlich gut gewählt, so dass wir die Meditionshalle verlassen, wenn die Sonne gerade untergeht und die ganze Anlage des Nilambe Zentrums in goldenes Licht getaucht ist. Ich schreite selig lächelnd zu meinem Zimmer, um vor dem Abendessen noch meine Taschenlampe zu holen.

Vielleicht kommt das von dem Meditations-High, doch ich kann nicht verhindern, dass meine Mundwinkel sich wie von alleine nach oben bewegen. Auf dem Weg zu meinem Zimmer ertappe mich doch tatsächlich dabei, wie ich mich zu einer Blüte herunterbeuge und sie einige Zeit lang fasziniert betrachte. Es fühlt sich an, als wären meine Sinne plötzlich weit geöffnet und empfänglich für all die Schönheit um mich herum. Als ich zur Meditationshalle zurückkehre, sehe ich, wie eine der jüngeren Teilnehmerinnen völlig in sich versunken einen großen Baum umarmt. Unweigerlich muss ich an eine Doku über LSD denken, die ich vor ein paar Jahren gesehen habe.

Das Abendessen verläuft in angenehmer Stille. Die Teilnehmer sitzen mit ihrem Teller und einer Tasse Tee auf den großen Stufen der Terrasse und betrachten stumm den Sonnenuntergang. Zum ersten Mal fällt mir auf, dass man von hier aus bis zu meinem Lieblingsberg, dem Adam‘ s Peak sehen kann.

Nach dem Abendessen wird wieder gechantet und meditiert. Upul sagt, wir sollen die Gedanken nicht bekämpfen, sondern sie kommen lassen und uns dann sogleich für den nächsten öffnen. Manchmal kommt es mir vor, als wäre mein Geist ein glitschiger Aal, den ich einfach nicht zu fassen kriege. Trotzdem fühle ich mich zum ersten Mal, seit ich hier bin, so richtig angekommen.

Nilambe Meditationszentrum Sri Lanka

Nilambe Meditationszentrum Sri Lanka

Tag 3: Das Yoga-Heimspiel

Am nächsten Morgen fühle ich mich wieder hundemüde. 5 Uhr ist einfach zu früh. Dafür nutze ich heute die Zeit vor dem Frühstück, um Yoga zu üben. Das fühlt sich zum ersten Mal heimisch an: Hier weiß ich endlich, was ich tue. Bei allen folgenden Meditationen nicke ich wieder ein. Erst bei der Abendmeditation fühle ich wieder dieses High, als wir im Garten umherwandeln und unsere Sinne mit den Eindrücken der Natur um uns herum füllen. Es ist einfach wunderschön, dabei zuzusehen, wie das Licht immer wärmer wird und die Sonne schließlich zwischen den Bäumen und den Bergen versinkt.

Laut Upul ist es normal, dass Gedanken kommen. Die Kunst sei, sie gehen zu lassen und sich sogleich für den nächsten zu öffnen. Bei der abendlichen Gruppendiskussion fällt einer Teilnehmerin auf, dass Gegenwart und anwesend im Englischen das gleiche Wort haben: Present. Dazu erzählt uns Upul eine seiner vielen Geschichten: „In der Schule wurden wir immer mit Namen aufgerufen. Immer, wenn mein Name aufgerufen wurde, musste ich „Anwesend!“ rufen. Immer wenn der Lehrer „Upul“ sagte, sagte ich “Present!“. Erst viel später fiel mir auf, dass ich damals zwar körperlich present, also anwesend war, geistig aber eher absent (abwesend). Wir können körperlich anwesend sein und doch nicht present, wenn unser Geist nicht im Present, in der Gegenwart ist.“

Tag 4: Ein glücklicher Geist wandert nicht

Upul sagt, die ersten zwei bis drei Tage eines Meditationsretreats seien immer die härtesten. Und tatsächlich: Am vierten Tag gelingt es mir zum ersten Mal, bei der morgendlichen Meditation nicht einzunicken. Zwar ist es nach wie vor schwer, wirklich aufmerksam zu sein, doch immer wieder gelingt es mir, meinen Geist zurück ins Hier und Jetzt zu bitten. Und zusammen mit der anschließenden Yogapraxis ist es der erste wirklich schöne Start in den Tag.

So langsam gewöhne ich mich auch an den minutiösen Tagesablauf. Beim Vortrag am Mittag erklärt uns Upul, warum sich unser Geist so sehr weigert, in der Gegenwart zu bleiben: „Alle Menschen streben nach Glück. Alles, was wir tun, ist darauf ausgerichtet, uns glücklich zu machen. Der wandernde Geist ist ein Resultat von Unzufriedenheit. Wenn wir das Glück nicht in der Gegenwart finden, wandert unser Geist in der Vergangenheit oder in der Zukunft umher. Ein glücklicher Geist wandert nicht. Nachdem wir nun drei Tage meditiert haben, ist unser Geist glücklich. Zwar wandert er noch umher, doch es erfordert nicht mehr ganz so viel Anstrengung, ihn in die Gegenwart zu bitten.“

Den Frieden mit nach Hause nehmen

Den fünften und letzten Tag verbringen wir meditierend und in Stille, und ehe wir uns versehen, ist schon der Tag der Abfahrt angebrochen. Am sechsten Tag treffen wir uns in der Meditationshalle für eine letzte gemeinsame Meditation und eine abschließende Gruppendiskussion. Eine Frage, die uns alle beschäftigt ist, wie wir es schaffen, den Frieden von Nilambe mit nach Hause zu nehmen. Dieser Ort ist so schön und geradezu dafür geschaffen, in stiller Meditation zu versinken. Doch wie soll man diese innere Ruhe mit in den hektischen und lauten Alltag nehmen, der uns Zuhause erwartet?

Daraufhin sagt Upul etwas, das uns alle überrascht: „Alles, was wir in Nilambe erleben, ist nicht real. Die Ruhe und den Frieden gibt es in der realen Welt nicht.“ Was wir tun können, um mit den Anforderungen der westlichen Welt fertig zu werden sei es, weiterhin täglich zu meditieren. Das müsse jedoch nicht unbedingt in der klassischen Weise erfolgen: „Um zu meditieren, müsst ihr nicht still im Meditationssitz auf dem Meditationskissen sitzen. Meditation kann auch formlos erfolgen. Etwa indem ihr euch bei all euren Tätigkeiten darüber bewusst werden, was ihr gerade tut. Wie bei der Working oder Walking Meditation.“

„Everything is becoming instant these days. Not only noodles. Instant marriages, instant divorces. Meditation is a skill that has to develop like a plant we seed.“

Blumen im Nilambe Meditationszentrum Sri Lanka

Gut zu wissen:
• Das Nilambe Meditationszentrum befindet sich eine Stunde entfernt von Kandy.
• Das 5-tägige Schweigeretreat hat 5.000 LKR gekostet, also umgerechnt etwa 32 Euro. Im Preis inbegriffen waren das Meditationsseminar, Essen und Unterkunft.
• Das Zentrum ist sehr einfach. Es gibt keinen Strom, kein Internet und keinen Handyempfang. Darüber solltest du dir bewusst sein.
• Nilambe ist kein Kloster, sondern ein Meditationszentrum. Also ein Zentrum, das als Rückzugsort zum Meditieren dient. Mönche wirst du hier außer Upul nicht zu Gesicht bekommen.

Mehr Infos über das Zentrum und kommende Retreats findest du auf der Webseite.

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