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Achtung scharf und fettig: Sri Lankas pikante Küche

Sri Lanka Curry

Sri Lankas Küche ist vor allem eines: Hot!!! Die Singhalesen lieben es, ihren Gerichten eine Schärfe zu verleihen, die für uns Europäer kaum auszuhalten ist. Schon die kleinsten Kinder stecken sich ganz selbstverständlich Chilischoten in den Mund, bei denen wir unsereiner einen Erstickungsanfall riskieren würde. Wenn es darum geht, wie scharf ein Essen ist, würde ich mich also nur bedingt auf das Urteil des Kochs verlassen: Das Essen ist für ihn bestimmt nicht scharf. Für dich aber unter Umständen sehr.

Sri Lankas Küche – Curry und viel Gemüse

Traditionell wird in Sri Lanka morgens, mittags und abends Rice and Curry serviert. Je nach Anlass und Tageszeit fällt es mal mehr, mal weniger üppig aus. Die Basis für ein sri-lankisches Currygericht bilden Reis und Dhal, ein Linsengericht. Dazu werden je nach Mahlzeit verschiedene Gemüsecurrys, zum Beispiel Eggplant Curry (Auberginen Curry) oder Pumpkin Curry (Kürbis Curry), Fish Curry oder Chicken Curry serviert. Meist gibt es dazu noch Okra, die in Sri Lanka als Ladyfingers bezeichneten langen grünen Bohnen, sri-lankischen Spinat, Coconut Sambol (scharf gewürzte Kokosraspeln) sowie Papadam, eine Art knusprige frittierte Chips. Serviert wird das Essen in vielen kleinen Schalen, aus denen sich jeder etwas nimmt und dann mit den Fingern isst.

Das sri-lankische Curry ist übrigens nicht nur scharf. Curry bezeichnet hier das Gericht, nicht das Gewürz. Wenn du kein scharfes Essen magst, kannst du zum Beispiel problemlos Reis, Dhal und Gemüse (Kürbis, Auberginen) sowie Papadam essen. Die Ladyfingers sind meist recht scharf gewürzt, ebenso wie das Kokossambal. Ansonsten geht probieren über studieren.

Sri Lankas Küche: Scharf und fettig

Tipp: Wenn du nach Sri Lanka fliegst, solltest du auf jeden Fall einmal ein richtiges Rice and Curry genießen. Allerdings solltet ihr das Essen vorbestellen: Die Zubereitung ist recht aufwendig und dauert einige Stunden. Meist möchten die Restaurants, dass man am Vortag reserviert, damit sie genügend Zeit zum Einkaufen der frischen Zutaten und zum Kochen haben.

Fast Food in Sri Lanka: Fettige Teigtaschen und Donuts mit Shrimps

Neben scharfen Currys findet man überall am Straßenrand, in Supermärkten und kleinen Shops Auslagen mit herzhaften und süßen Gebäcken. Man könnte es als das sri-lankische Fast Food bezeichnen, denn man bekommt es überall, es geht schnell und die kleinen Teilchen sind oft extrem fettig.
Rotis sind vermutlich noch die gesündeste Wahl. Die dünnen Fladen aus Weizenmehl werden entweder pur in Form von Plain Rotis, eingerollt mit Gemüse (Vegetable Roti) oder mit eingebackenen Kokosraspeln (Coconut Rotis) verkauft. Mancherorts gibt es auch ausgefeilte, offensichtlich auf den touristischen Gaumen spezialisierte Kreationen: Avocado Rotis, Pumpkin Rotis oder Rotis mit Schokolade und Banane sind auf jeden Fall auch einen Versuch wert.

Fast Food in Sri Lanka

Ein weiteres sri-lankisches Fast Food sind panierte und frittierte Teigrollen, die je nach Füllung als Egg Rolls, Fish Rolls oder Vegetable Rolls verkauft werden. Egg Buns, Vegetable Buns oder Fish Buns erinnern in Form und Geschmack wiederum an kleine, gefüllte süße Brötchen.

Hoppers sind eine weitere sri-lankische Besonderheit. Die kleinen Pfannküchlein werden in einer hochwandigen Pfanne gebacken. Das Herauslösen der Küchlein erfordert besondere Fingerfertigkeit, denn die knusprigen Ränder sind äußerst zerbrechlich. Die Mitte ist dagegen ganz weich. Hoppers sind oft mit einer Eifüllung erhältlich. Für die sogenannten Egg Hoppers wird ein Ei in die Mitte der Pfanne gegeben, das dann wie ein Spiegelei an dem Pfannkuchen festbackt.
String Hoppers bestehen wiederum aus dünnen, gedämpften Reisnudeln. Diese werden zu kleinen Nestern geformt und mit scharfem Kokossambal serviert. Egg Hoppers und String Hoppers werden traditionell zum Frühstück gegessen.

Das fettigste, das Sri Lankas Küche zu bieten hat, sind wohl Wadis. Die herzhaften frittierten Donuts, die entweder pur oder mit eingebackenen Shrimps gegessen werden, triefen teilweise nur so vor Fett. Man bekommt sie öfters an Bahnhöfen durch das Fenster angeboten.

Wadis

Wadis Wadis Wadis Wadis Wadis! Ein Mann verkauft Wadis am Bahnhof.

Wadis Sri Lanka

Gebratener Reis und gehackte Rotis

Was man auch so gut wie in jedem sri-lankischen Imbiss findet, sind Fried Rice oder Fried Noodles. Meist werden diese Gerichte im Menü als Chinesisch bezeichnet und wahlweise mit Gemüse, Ei, Hühnchen oder Shrimps serviert. Aus einigen Shops am Straßenrand wirst du lautes Klopfen vernehmen. Wenn es sich nicht gerade um eine Werkstatt handelt, wird dort höchstwahrscheinlich Kottu Roti (oder auch kurz: Kottu) zubereitet. Kottu Roti bedeutet „kleingehacktes Roti“ und besteht, wie der Name schon sagt, aus kleingeschnittenen Rotis. Diese werden mit Curry, Gemüse, Eiern oder Fleisch vermischt und heiß serviert. Wenn du Kottu bestellst, stelle am besten sicher, dass du nicht direkt neben der Küche Platz nimmst. Die Zubereitung von Kottu kann noch lange in den Ohren nachklingen…

Frischer Fisch und Fleisch

Als Insel ist Sri Lanka natürlich für frischen Fisch prädestiniert.  Viele Menschen leben von der Fischerei. Deshalb ist es leicht, fangfrischen Fisch auf dem Markt zu kaufen. Oder aber du lässt ihn dir frisch zubereiten, zum Beispiel in einem der vielen Restaurants im Touristenzentrum Mirissa. Dort gehst du einfach zu der kleinen Auslage am Strand, suchst dir einen Fisch aus und lässt ihn dir für 10 Euro inklusive Salat und Pommes oder Reis zubereiten. Ich empfehle dir Red Snapper, Thunfisch Steak und Barracuda.

Fleisch bekommst du in Sri Lanka natürlich auch. Meist handelt es sich um Hühnchen. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir vor Jahren zwei Hühnerfarmen in Sri Lanka (eine für die Fleisch- und eine für die Eierproduktion) angeschaut habe und nach diesem Erlebnis zum Vegetarier wurde. Die Käfige, in denen unendlich viele Hühner in ihrem eigenen Dreck zusammengepfercht waren, haben unglaublich gestunken und meinen Appetit auf Fleisch deutlich gedämpft. Zudem solltest du bedenken, dass Fleisch in Sri Lanka gegebenenfalls ganz anders zubereitet wird, als du es von Zuhause gewohnt bist. Ein Devilled Chicken beispielsweise, ein in scharfer Sauce zubereitetes Hühnchengericht, kann schonmal nur aus Knochen und Knorpel bestehen.

Frisches Obst und Gemüse vom Markt

Wenn das alles nix für dich ist und dir entweder zu fettig, zu scharf oder zu unvegetarisch ist, dann habe ich gute Nachrichten für dich: Sri Lankas Küche hat nämlich noch viel mehr zu bieten als fettiges Gebäck und scharfes Curry. So bekommt man hier an jeder Ecke köstliches, frisches Obst und Gemüse. Meist auf dem Markt oder am Straßenrand, aber auch in jedem Supermarkt. Das günstigste Obst sind wohl Bananen. Diese bekommst du für ein paar Rupien an jeder Ecke quasi im Vorratspack, direkt von der Staude. Die Bananen sind winzig klein und in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich.

Bananen

Ananas und Wassermelonen sowie saftige Papayas zählen ebenso zur Grundausstattung. Und zwar richtig schön reife, süße Früchte. Nicht so einen unaromatischen, nachreifenden Quatsch, den wir in deutschen Supermärkten kaufen müssen.

Es lohnt sich übrigens immer, die Verkäufer auf dem Markt zu fragen, wann man die Früchte essen kann. Sie werden dir verraten, ob die Bananen heute essbar sind oder lieber noch einen Tag liegen bleiben sollten. Gemüse, zum Beispiel Tomaten und Gurken, aber auch kleine runde Auberginen und Zucchinis findest du ebenfalls auf dem Markt oder im Supermarkt. Bei Avocados solltest du die jeweilige Saison beachten: Außerhalb der Saison sind sie ähnlich wie bei uns recht teuer und auch besonders nicht lecker.

Tipp: Halte Ausschau nach den roten Bananen: Diese sind besonders süß und lecker.

A Coconut a day keeps the doctor away

An dieser Stelle darf natürlich auch die Kokosnuss nicht unerwähnt bleiben. Die Sri Lanker sind besonders stolz auf ihre King Coconut, die seit Jahrhunderten als Trinkkokosnuss gezüchtet wird. Im Vergleich zur herkömmlichen Kokosnuss bildet die Jakobskröung unter den Kokosnüssen nur sehr wenig Fruchtfleisch, dafür aber reichlich Wasser aus. Die länglichen, gelben bis rötlichen Kokosnüsse kann man an jedem Straßenrand kaufen.

Kokosnüsse

King Coconut Verkäufer

Ein Verkäufer hat alle Hände voll zu tun mit seinen King Coconuts

Die Kunst, mit den Händen zu essen

Gegessen wird in Sri Lanka übrigens traditionell mit den Händen; und zwar mit der rechten, sauberen Hand. Die linke Hand ist die unreine Hand, die bei Toilettengängen benutzt wird. Wenn du noch nie mit den Händen gegessen hast, wird es sich anfangs wahrscheinlich recht seltsam anfühlen. Aber hat man den Bogen erst einmal raus, ist es eine sehr schöne und tatsächlich sehr saubere Art zu essen.

Um mit den Fingern Rice and Curry zu essen, vermischst du den Reis mit ein wenig Curry und formst mit den Fingerspitzen kleine Bällchen. Diese schiebst du dann mit dem Daumen über die anderen Finger in den Mund. Am besten fragst du einfach einen Einheimischen, ob er es dir zeigt. Wenn du mit den Fingern isst, wird dir das auf jeden Fall ein paar Symphathiepunkte bei den Locals einbringen. In den touristischen Gegenden wird aber ohnehin mit Besteck gegessen.

Mit den Fingern essen ist nicht jedermanns Sache. Ich liebe es und bin überzeugt davon, dass das Essen dadurch irgendwie intensiver schmeckt. Zumindest macht es aber Spaß, mal so richtig schön mit dem Essen rumzusauen – etwas, was einem als Kind immer verboten wurde.

In folgendem Video wird erklärt, wie man in Sri Lanka mit den Fingern isst.

Übrigens: Wenn du mal Lust auf etwas Süßes haben solltest, kann ich dir die Hawaiian Cookies von Munchees empfehlen 🙂 Leckere Kekse mit Kokosgeschmack!

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade „Dein Essen ist nicht mein Essen!“ von Flocotus teil. Hinter dem Link findest du Florians „10+1 Gebote zum Essen auf Reisen“ und lesenswerte Berichte von anderen Bloggern, die über ihre kulinarischen Reiseerlebnisse schreiben.

Warst du schonmal in Sri Lanka? Was hat dir am besten geschmeckt? Und was mochtest du gar nicht? Habe ich in der Liste etwas vergessen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar!

5 Kommentare

  1. Pingback: Reise-Food: Dein Essen ist nicht mein Essen! - Blogparade

  2. Kottu – oh wie ich es liebe!!! 🙂
    Mit Fisch, Hühnchen oder vegetarisch, alle Varianten sind toll.

    Danke für die Erinnerung

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    • Hallo Candy, gern geschehen 🙂 Kottu mag ich auch gern. Aber Rice und Curry könnte ich wirklich jeden Tag essen 🙂

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  3. Dhal ist auf dem indischen Subkontinent allgegenwärtig, egal ob Nepal oder Bangladesch. Mir hat es aber ehrlich gesagt nirgendwo richtig geschmeckt, außer in Sri Lanka.

    Der Rest ist natürlich auch lecker, mein Favorit ist rote Beete Curry 😉

    Danke für’s Mitmachen bei der Blogparade!

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    • Hi Florian, ich finde das Dhal in Sri Lanka auch am besten. In Indien habe ich kein vergleichbares gefunden (dafür aber jede Menge andere leckerer Dinge). Gern geschehen und viele Grüße!

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