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Dem Winter entkommen: Ein Kurztrip nach Lanzarote.

Vulkane bestimmen auf Lanzarote das Landschaftsbild.

Kurz nach Weihnachten in die Sonne zu fliegen ist gar nicht so leicht, wenn sowohl das Budget und als auch das Zeitfenster begrenzt sind. Auf der Suche nach günstigen Reisezielen, die idealerweise am Meer liegen  und zu dieser Jahreszeit mit milden Temperaturen überzeugen, fiel die Wahl auf Lanzarote. Was wir auf der kleinen Insel erlebt haben, erfahrt ihr in diesem Reisebericht.

„Besuche einmal im Jahr einen Ort, den Du noch nicht kennst.“
Dalai Lama

Dieses Zitat ist bei uns schon beinahe eine Lebensphilosophie. Da ich noch nie auf den Kanaren war und die Inseln nicht nur über ein ganzjährig mildes Klima von rund 21 Grad, sondern auch über hervorragende Surfbedingungen verfügen, war unsere Entscheidung schnell gefällt. Die größte Challenge bei der Urlaubsplanung bestand tatsächlich nicht darin, einen günstigen Flug zu finden, sondern innerhalb von zwei Tagen eine Unterkunft und einen Mietwagen aus dem Ärmel zu schütten. Aber dann hat tatsächlich noch alles geklappt und wir steigen am Silvestervormittag verschlafen und ein wenig erschöpft aus dem Flieger in ein sonniges und trockenes Arrecife.

Lanzarote – Der erste Eindruck

Wer auf Lanzarote ein tropisches und palmenübersätes Inselparadies erwartet, wird beim ersten Anblick der kargen Wüstenlandschaft wohl erstmal einen gewaltigen Schock erleiden. Tatsächlich ist Lanzarote ein recht trockenes und vegetationsarmes Inselchen, dessen Landschaftsbild von Vulkanen in allen Größen und Formen geprägt ist. Wer beim Anblick an diese trostlose, aber durchaus auch faszinierenden Vulkanlandschaft an eine Mondlandschaft denkt, liegt nicht daneben: Tatsächlich war die karge Wüstenlandschaft schon öfters Kulisse bekannter Science-Fiction Filme (z.B. Planet der Affen, Die geheimnisvolle Insel). Kein Wunder, denn es gibt wohl keinen anderen Ort auf der Welt, dessen Landschaft so sonnenverbrannt und surreal wirkt:  Trockene Wüstenlandschaft, schwarzes Lavagestein und Vulkane, so weit das Auge reicht. 

Vulkanlandschaft Lanzarote

Planet der Affen: Lanzarote

Unwirklich: Das Famara massiv

Unwirklich: Das Famara Massiv

Wissenswertes über Lanzarote

Lanzarote ist die viertgrößte und nordöstlichste der Kanarischen Inseln. Sie liegt rund 140 km westlich vor der marokkanischen Küste und rund 1000 km vor dem spanischen Festland. Rein geographisch gesehen gehört Lanzarote also zu Afrika, was sich auch durch das extrem trockene Klima bemerkbar macht. Das Klima ist ganzjährig mild und die Temperaturen fallen selbst im Winter nicht unter 21 Grad. Mit nur 112 Millimetern Niederschlag im Jahr ist die Lanzarote außerdem die trockenste der Kanarischen Inseln. Aus diesem Grund wird auf der Insel auch sehr sparsam mit Wasser umgegangen: 90 Prozent des Trinkwassers werden heute aus dem Meer gewonnen. Dass ein Tourist im Schnitt doppelt so viel Wasser verbraucht wie ein Einheimischer, sollte uns zu denken geben: Also bitte sparsam mit Wasser umgehen!

Aufgrund des Wassermangels mussten die Bauern sich einiges einfallen lassen, um auf dem kargen Boden ihre Pflanzen zum Leben zu erwecken. Das Resultat sind interessante, meist hufeisenförmige Mauern, die die zarten Pflänzchen vor Wind schützen.

Felder wie diese sieht man auf Lanzarote überall.

Felder wie diese sieht man auf Lanzarote überall.

Beim Erkunden der Insel wird man immer wieder prächtige Aloe Vera Felder sehen. Die Alleskönner unter den Pflanzen finden hier anscheinend ein optimales Klima. In der Nähe solcher Felder befinden sich meist Aloe Vera Häuser, in denen man tolle Cremes, Seifen und andere Aloe Vera Produkte kaufen kann.

Aloe Vera Felder findet man öfter auf Lanzarote. In der Nähe bfeinden sich oft Shops, in denen man tolle Aloe Vera Produkte erstehen kann.

Auf Lanzarote kann man tolle Aloe Vera Produkte kaufen.

Aloe Vera ist ein wahres Alleskönner und gut für Haut und Haar.

Aloe Vera ist ein wahrer Alleskönner und gut für Haut und Haar.

Unterwegs auf Lanzarote

Was man auf jeden Fall braucht, wenn man auf Lanzarote Urlaub macht, ist ein Auto. Nicht nur, um vom Flughafen in Arrecife wegzukommen, sondern auch um sich auf der kleinen Insel fortzubewegen. Es verkehren zwar einige Busse zwischen den Orten, doch ein Mietwagen ist und bleibt die angenehmste Art sich fortzubewegen und so viel wie möglich von der Insel zu sehen. Gute Erfahrungen haben wir mit der Firma Orlando gemacht. Nicht wundern, die Autovermietung hat keinen eigenen Schalter im Flughafen: Der Schlüssel wird in einem kleinen Häuschen auf dem Parkplatz vor dem Flughafen übergeben; der freundliche Herr wartet dort zum vereinbarten Zeitpunkt mit nichts als einem Koffer und einem Handy. Wir hatten aber keinerlei Probleme und die Firma wirkte überhaupt nicht unseriös – und die Preise sprechen für sich.

Wohnen auf Lanzarote

Da wir möglichst nahe am Surfspot sein wollten, haben wir uns für eine Unterkunft in Caleta de Famara im Norden der Insel entschieden. Der beschauliche Ort war einst ein Fischerdorf und ist auch heute noch das Gegenteil vom touristischen Treiben an der Südküste. In Famara trifft man hauptsächlich Surfer und Alternativreisende, die dem „Großstadttrubel“ auf der anderen Seite der Insel entkommen wollen. Es gibt einige Surfhostels an der Hauptstraße, die sowohl Appartments als auch Zimmer in Surf-WGs vermieten. Außerdem kann man recht günstige Appartments im Ort buchen.

Caleta de Famara mit dem Famara Massiv im Hintergrund.

Caleta de Famara mit dem Famara Massiv im Hintergrund.

Caleta de Famara und das quadratische Famara von oben.

Caleta de Famara und das symmetrisch angeordnete Famara im Vordergrund.

Surfing Lanzarote

Laut Stormrider ist Lanzarote in Sachen Surfen die beste der Kanarischen Inseln. Vor allem Famara ist ein beliebter Surfspot, ansonsten auch das benachbarte La Santa, El Golfo im Westen sowie Jameos del Agua an der Ostküste. Es muss aber erwähnt sein, dass die Surfspots auf Lanzarote nur bedingt für Anfänger geeignet sind: So gut wie alle Spots sind mit spitzen Vulkansteinen bedeckt, die es zu Überqueren gilt, bevor es ins Wasser geht. Das ist selbst für erfahrene Surfer schon eine kleine Herausforderung.

Surfer in Famara, im Hintergrund La Graciosa.

Surfer im Lineup vor herrlicher Kulisse. Im Hintergrund die Insel La Graciosa zum Greifen nah.

Wo soll's heute hingehen?

Wo soll’s heute hingehen?

Ein Surfer in Famara.

Manchmal können die Wellen aber auch riesig werden wie bei diesem Sturm im Januar 2014.

Manchmal können die Wellen recht groß werden wie bei diesem Sturm im Januar 2014.

Yoga auf Lanzarote

Yoga scheint auf Lanzarote recht verbreitet zu sein. Allein in Famara, wo wir gewohnt haben, gab es ein großes Angebot an verschiedenen Yogastilen von Kundalini Yoga (Clandestino Surf, 15 Euro/ Std) über Ashtanga und Hatha Yoga bis hin zu Power Yoga. Die Kurse kosten alle zwischen 10 und 15 Euro für 60 bzw. 90 Minuten. Die meisten Yogakurse sind Teil eines Surfhostels und es ist möglich, gleich eine ganze Woche Surf- und Yogakurs zu buchen. Man kann aber auch an einzelnen Stunden teilnehmen.

Sightseeing auf Lanzarote

Unser Lanzarote Reiseführer ist voll von Ausflugstipps und Sehenswürdigkeiten, die es zu erkunden gilt. Leider haben wir festgestellt, dass die meisten Ausflüge kaum mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen. Man kann also durchaus mehrere Sightseeing-Punkte an einem Tag abarbeiten (und hat immer noch den halben Tag Zeit, um am Strand zu relaxen…). Meist stammen die Sehenswürdigkeiten aus der Hand von Lanzarotes berühmtesten Sohns, César Manrique, der in Madrid und den USA abstrakter Malerei nachging, bis er Ende der 60er Jahres in seine Heimat zurückkehrte, um sich im aufkeimenden Tourismus „künstlerisch am Aufbruch seiner Heimat in die Moderne zu beteiligen“ (Marco Polo). Auch setzte er sich dafür ein, die traditionelle Architektur seiner Heimat zu erhalten. Ihm ist es zum Beispiel zu verdanken, dass die Hotels auf Lanzarote nie über mehr als zwei Etagen hinausragen und die Architektur sich in das Landschaftsbild einfügt.

Was man auf Lanzarote auf keinen Fall verpassen darf, ist zum Einen der Timanfaya Nationalpark. Dieser liegt im Westen der Insel und entstand bei einer der wohl größten Naturkatastrophen der jüngeren Erdgeschichte: Über sechs Jahre lang (1730-1736) tobten Vulkanausbrüche auf der Insel und begruben fast ein Viertel von Lanzarote unter Ascheregen und glühend heißen Lavaströmen. Heute ist alles erstarrt und das größte Lavafeld der Welt kann gefahrlos besichtigt werden. Am Eingang des Nationalparks befindet sich ein kostenloses Besucherzentrum, in dem Bilder, Videos und Infotafeln über die Entstehung des Lavafeldes informieren.

Teulfe am Eingang des Timanfaya Nationalparks.

Der von Manrique entworfene Teufel markiert den Eingang des Nationalparks: Willkommen in der Hölle.

Eingang zum Timanfaya Nationalpark:

Eingang zum Timanfaya Nationalpark: Rechts geht’s zum kostenlosen Besucherzentrum.

Trostlose Einöde: Der Timanfaya Nationalpark lässt erahnen, was sich hier vor fast 300 Jahren abgespielt hat.

Trostlose Einöde: Der Timanfaya Nationalpark lässt erahnen, was sich hier vor fast 300 Jahren abgespielt hat.

Scharfkantige Lavasteine soweit das Auge reicht.

Scharfkantige Lavasteine soweit das Auge reicht.

Für 12 Euro pro Dromedar kann man sich zu zweit 45 Minuten lang durch den Nationalpark schaukeln lassen.

Für 12 Euro pro Dromedar kann man sich zu zweit 45 Minuten lang durch den Nationalpark schaukeln lassen.

Im Timanfaya Nationalpark kann man jede Menge Dinge machen, die Geld kosten, wie einen Dromedarritt durch die Vulkanberge (12 Euro pro Dromedar) oder eine Bustour mit Kommentar (9 Euro Eintritt zum Nationalpark inklusive Busfahrt). Wir haben darauf verzichtet, denn sowohl im Besucherzentrum als auch aus dem Auto heraus kann man schon einiges sehen: Mit dem Auto von Tinajo der LZ-67 Richtung Yaíza folgend (oder umgekehrt) fährt man mitten durch den Nationalpark und braucht meiner Meinung nach nicht noch Eintritt zu bezahlen, um das gleiche aus einem Bus zu betrachten.

Südlich von Timanfaya liegt das malerische Fischerdorf El Golfo, von dem aus man die grüne Lagune El Lago Verde in wenigen Gehminuten erreicht. Wie das Lavafeld in Timanfaya war auch dieser grüne, durch Algen gefärbte See schon Schauplatz einiger Science-Fiction Filme.

El Lago Verde bei El Golfo.

El Lago Verde bei El Golfo.

Das spektakulärste, was wir auf Lanzarote gesehen haben war aber die Cueva de los Verdes, ein Lavatunnel der zum 7,5 km langen Tunnelsystem Túnel de la Atlantída gehört. Er entstand beim Ausbruch des größten Vulkans Monte Corona vor 5000 Jahren und kann besichtigt werden. Die Tour ist 2 km und 45 Minuten lang und wird von atmosphärischer Musik sowie spanischen und englischen Erläuterungen begleitet. Zum Schluss erwartet den Besucher noch eine Überraschung, die hier nicht verraten werden soll. Der Eintritt kostet 9 Euro und ist wirklich lohnenswert.

Der Monte Corona mit seiner kronenförmig abgebrochenen Spitze.

Der Monte Corona mit seiner kronenförmig abgebrochenen Spitze.

Gegenüber der Cueva de los Verdes liegt eine weitere Sehenswürdigkeit, die Jameos del Agua, ein ebenfalls zum Tunnelsystem gehörendes Loch im Lavatunnel. Hier zahlt man ebenfalls 9 Euro Eintritt und darf dafür zwei große Einbrüche in der Lavadecke (= Jameos) besichtigen, die einst als Müllhalden dienten und in den 60er Jahren von Manrique höchstpersönlich gereinigt und gerettet wurden. Heute steht hier ein Naturdenkmal, das aus einem verwunschenen Salzwassersee mit blinden Minikrebsen sowie einem künstlich angelegten Pool mit subtropischen Pflanzen besteht.

Ein weiteres Landschaftskunstwerk, das Señor Manrique zuzuschreiben ist, ist der Mirador del Río. Auch dieser kostet ordentlich Eintritt, den man sich aber ganz einfach sparen kann: Anstatt es wie alle anderen Touristen zu machen, kann man zu einem anderen Aussichtspunkt ganz in der Nähe fahren, dem Mirador de Guinate. Von hier aus hat man einen beinahe ebenso spektakulären Ausblick auf die Nachbarinsel La Graciosa, noch noch dazu ist man hier fast immer allein.

Spektakuläre Aussicht vom Mirador de Guinate.

Spektakuläre Aussicht vom Mirador de Guinate.

Ein weiteres kleines Highlight (laut Reiseführer) sind die Märkte, allem voran der Samstagsmarkt in Hariá im Norden von Lanzarote. Hier kann man kleines Kunsthandwerk, Schmuck und Souvenirs erstehen und in einem kleinen Café dem bunten Treiben zuschauen. Hariá ist auch einer der wenigen Orte auf Lanzarote, die über mehr als spärliche Vegetation verfügen: Hier finden sich sogar Palmen und ein zartgrüner Teppich bedeckt die Vulkanhänge. Dies liegt daran, dass die Wolken meist im Famara Massiv hängen bleiben und sich hier, auf der östlichen Seite der Berge ausregnen. Die Stadt, die uns aber am besten gefallen hat war Teguise: Einst Hauptstadt Lanzarotes, hat diese Stadt nichts von ihrem ursprünglichen (und immerhin 600 Jahre alten) Charme verloren.

Der Kirchturm von Teguise im Sonnenuntergang.

Der Kirchturm von Teguise im Sonnenuntergang.

Windmühle in Teguise.

Windmühle in Teguise.

Gut zu wissen:

SONY DSCLanzarote ist perfekt für alle, die dem deutschen Winter entfliehen und ordentlich Sonne tanken wollen. Allerdings herrschte über Silvester auch nicht gerade Badewetter: Ich hatte bei dem starken Wind wenig Lust, ins Wasser zu gehen und saß meistens an einer windgeschützten Stelle, um den Surfern beim Wellenreiten zuzuschauen. Neben Surfen und Yoga sind übrigens vor allem Laufen und Radfahren beliebte Aktivitäten auf der kleinen Insel. Und was die Sehenswürdigkeiten auf Lanzarote angeht: Was sehenswürdig ist und was nicht, muss jeder selbst entscheiden. Mich hat vor allem die raue Natur der Insel beeindruckt, wie der von heißer Lava ausgewaschene Tunnel ins Meer und die trostlose Landschaft im Timanfaya Nationalpark. Länger als 10 Tage würde ich es vermutlich nicht aushalten, da mir die grüne Natur wohl irgendwann fehlen würde. Aber für einen kurzen und preiswerten Trip in die Sonne kann ich die Insel auf jeden Fall empfehlen.

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