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Spiritualität über den Wolken: Eine Yogalehrer Ausbildung in Indien

Dharamsala, McLeod Ganj

Inzwischen bin ich ja schon seit geraumer Zeit wieder in meinem geliebten Köln, habe den größten Kulturschock überwunden und finde endlich die Muße, über das schönste Erlebnis meiner Reise, meine Yogalehrer Ausbildung in Indien, zu berichten. Tatsächlich war der Start meiner Ausbildung im Juli etwas, worauf ich mich während meiner ganzen Reise durch Sri Lanka und Indonesien wahnsinnig freute. Doch wieso musste es für die Yogalehrer Ausbildung eigentlich unbedingt Indien sein? Diese Frage musste ich im Vorfeld öfters beantworten. Dabei gab es für mich persönlich nie einen Zweifel daran, die Ausbildung zur Yogalehrerin in Indien zu machen. Ich meine, wenn nicht an der Quelle, im Land des Yoga, wo dann? Und dennoch gibt es eine Sache, die ich an meiner Entscheidung, in Indien zu lernen, immer noch bitter bereue: Dass ich nach der Ausbildung nicht dort geblieben und weitergereist bin, um weiter zu studieren. Und um von indischen Lehrern und Gurus, aber vor allem auch von der indischen Kultur zu lernen. Aber das wird auf jeden Fall nachgeholt, versprochen.

Tibetische Mönche in McLeod Ganj, Dharamsala

Yogalehrer Ausbildung in Indien – aber wo?

Dass die Yogalehrer Ausbildung in Indien stattfinden würde, stand also schon lange fest. Allerdings war es gar nicht so leicht, von Zuhause aus eine passende Ausbildung zu finden. Indien beherbergt einfach unglaublich viele Yogaschulen und Ashrams, Retreats und Studios, und ohne jemals in Indien gewesen zu sein fiel es mir mehr als schwer zu beurteilen, welche Ausbildung seriös und welcher Guru authentisch erscheint. Letzten Endes machte ich meine Entscheidung von dem einem Ort in Indien abhängig, an den ich schon immer einmal reisen wollte: Dharamsala, die Exilheimat des Dalai Lamas. Dort fand ich eine Yogalehrer Ausbildung, die genau in meinen Reiseplan passte, und reservierte meinen Platz in Dharamsala. Und dann begann das lange Warten.

Wie am ersten Schultag

Habe ich bereits erwähnt, dass ich während meiner gesamten Reise nur den Tag der Ausbildung herbeisehnte? Da ich bereits zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn vor Ort war, wurde ich noch zusätzlich auf die Folter gespannt. Ich kannte bereits die Yogaschule Siddhi Yoga, McLeod Ganj, den kleinen Hippie-Ort Bhagsu und die Yogalehrer. Alles was ich noch nicht kannte waren meine Mitschüler. Am Tag der Eröffnungszeremonie, zu der wir alle in weiß erscheinen sollten, fühlte ich mich also buchstäblich an meinen ersten Schultag zurückversetzt.

So wie mir ging es vermutlich den meisten von uns. Wochenlang hatte man sich diesen Tag ausgemalt, und nun war es endlich so weit.  Aus der vagen Zukunft war pure, lebendige Gegenwart geworden. Endlich würde sich herausstellen, mit wem man die vermutlich intensivsten vier Wochen seines Lebens verbringen und mit wem von all den fremden Gesichtern einen in vier Wochen eine tiefe Freundschaft verbinden würde. Schüchterne Blicke wurden ausgetauscht, zaghaftes Lächeln, und beim ersten gemeinsamen Abendessen beschnupperte man sich gegenseitig.

Ein straffes Programm

Am nächsten Morgen um 7 ging dann das los, was von nun an vier Wochen lang zu unserem täglichen Yoga Programm gehören würde: Zwei Stunden Yoga, Frühstück, anschließend eine Stunde Yoga Philosophie, eine Stunde Anatomie, danach Mittagessen, Art of Teaching, dann nochmal zwei Stunden Yoga und eine Stunde Meditation, um 19 Uhr Abendessen und dann Feierabend. Samstags war meistens nur der halbe Tag verplant und sonntags hatten wir komplett frei. Die meisten von uns nutzten die freie Zeit, um im 15 Minuten fußläufig entfernten Dharamsala Einkäufe zu erledigen, den Dalai Lama Tempel zu besichtigen, wandern zu gehen, zu lernen oder einfach Zeit mit den anderen Yogis zu verbringen.

Ich nahm mir jede Woche vor, am Wochenende endlich mit dem Lernen anzufangen. Doch dann endete ich meistens doch mit den anderen Yogis in irgendeinem Hippie Café, nippte an meinem Ginger-Lemon-Honey-Tea und futterte mich durch die tibetische oder indische Speisekarte, während wir indischer Live-Musik lauschten und den Blick über die umliegenden Berge schweifen ließen. Oftmals genoss ich aber auch einfach ein paar Minuten Ruhe in meinem Zimmer. Am Ende der ersten Woche waren wir erfüllt von neuem Wissen, Muskelkater an den unglaublichsten Stellen und vielen neuen Freunden.

Eröffnungszeremonie der Yogalehrer Ausbildung in IndienOnce in nature Dharamsala

Yoga, Yoga und noch mehr Yoga

Das straffe Programm forderte aber auch seinen Tribut und bereits in der zweiten Ausbildungswoche hatten viele mit einer Erkältung oder Schlimmerem zu kämpfen. Ich glaube, die wenigstens von uns waren daran gewöhnt, vier Stunden täglich Yoga zu praktizieren, und das bei sehr leichter, sattviger Kost und wenig Schlaf. Zusätzlich war der Monsun in vollem Gange, was auf 2000 m Himalaya-Höhe leider nichts mit einem warmen Sommerregen zutun hat, sondern uns ein kühles und nasses deutsches Herbstwetter bescherte. Teilweise regnete es tagelang ununterbrochen, so dass wir stets nass wurden, sobald wir unsere Yogahalle verließen. Die Kleidung trocknete nur schlecht in den unbeheizten Schlafräumen, und nach einiger Zeit fingen tatsächlich meine Ledersandalen, Gürtel und diverse andere Dinge an zu schimmeln.

Doch der neue Alltag war nicht nur für den Körper wahnsinnig anstrengend, sondern auch für den Geist. So viele neue Informationen jeden Tag, noch dazu in einer fremden Sprache, dazu die ständige Müdigkeit, die vielen aktiven Meditationen, die so einiges zutage förderten und dann kaum eine Minute für sich, um das Erlebte und Gelernte zu verarbeiten. Und trotzdem konnte ich mir keinen Ort vorstellen, an dem ich lieber gewesen wäre. Die Aussicht von meinem kleinen Balkon auf den Himalaya; das Wissen, dass der Dalai Lama gleich um die Ecke wohnt und dann Yoga den ganzen Tag… Ernsthaft: Was gibt es Schöneres, als den ganzen Tag mit lauter Yogis an einem Ort zu sein, an dem den ganzen Tag über Yoga geredet oder Yoga praktiziert wird? 

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Der schnellste Monat meines Lebens

In der zweiten Woche war dann alles schon nicht mehr ganz so neu. Man hatte sich an den Ablauf gewöhnt, und dann ist da immer diese Sache mit der Zeit: Kaum gewöhnst du dich an etwas und verfällst in eine Art Alltagstrott, da verfliegt die Zeit plötzlich. Auf einmal ist die zweite Woche vorbei und dann die dritte und dann sind bereits die Abschlussprüfungen, und bevor du dich versiehst, sitzt du schon wieder im Flieger nach Hause. Die vierte Woche bestand hauptsächlich daraus, die theoretische und praktische Prüfung vorzubereiten und nebenbei noch genügend Zeit mit den neuen Freunden verbringen, bevor es am Ende der Woche alle wieder in verschiedene Teile der Erde verstreuen würde. Der Gedanke daran, in der darauffolgenden Woche nach einer langen Reise nach Deutschland zurückkehren und vor allem Indien und diesen wunderbaren Ort verlassen zu müssen, machten mir das Herz zusätzlich schwer.

Meine praktische Prüfung, die ich mit drei anderen Yogis zusammen in Form einer zweistündigen Yogastunde abhielt, war die Letzte unserer Gruppe. Und ob es nun die Kerzen waren, der wunderschöne Gesang meiner Mitstreiterin Helle oder die vielen Hüftöffner: Am Ende der Stunde lagen wir uns alle in den Armen und heulten ohne Grund drauf los. Vier Wochen Anstrengung, Schmerzen, Niederlagen, Erfolgserlebnisse, Müdigkeit, all die Anspannung löste sich auf in das Gefühl: Wir sind jetzt alle Yogalehrer! Das Ziel unserer gemeinsamen Reise, der Grund, warum wir alle uns hier zusammengefunden hatten, war erreicht. Als ich am nächsten Tag bei der Abschlusszeremonie mein Zertifikat überreicht bekam, wurde mir klar: Das war der schnellste, schönste und intensivste Monat meines Lebens.Closing Ceremony der Yogalehrer Ausbildung in Indien

Was bringt so ein Yoga Teacher Training?

Das Tolle an so einer vierwöchigen Yogalehrer Ausbildung in Indien ist: Alles kann, nichts muss. Selbst wenn du gar nicht vorhast, hinterher Yoga zu unterrichten oder dir noch unsicher bist – in einer Intensivausbildung kannst du dich langsam an das Ganze herantasten, ohne gleich mehrere Jahre und viel Geld in eine „richtige“ Ausbildung zu investieren. Zusätzlich bekommst du die Gelegenheit, deine Yogapraxis zu vertiefen und eine ganz besondere Erfahrung zu machen. Für mich war das Yoga Teacher Training ein wahrer Yoga Boost. Ich sehe Yoga jetzt ganz anders als zuvor und verstehe besser, was es mit mir macht – auch wenn dies nur der Beginn einer lebenslangen Reise ist. Ich habe schon immer geahnt habe, im Yoga die Liebe meines Lebens gefunden zu haben – seit dem Teacher Training weiß ich es ganz sicher.

Wenn du mehr über das Yoga Teacher Training in Indien erfahren möchtest, kannst du mir gerne eine Nachricht schreiben.

Good to know:

  • Ich habe meine Yogalehrer Ausbildung bei Siddhi Yoga gemacht. Die Schule bietet 100-,  200- und 300-Stunden Ausbildungen in Dharamsala und Rishikesh an.
  • Die Yogalehrerausbildung hat 4 Wochen gedauert.
  • Ich empfehle dir, so ein intensives Teacher Training erst zu absolvieren, wenn du schon eine Weile regelmäßig Yoga praktiziert hast und körperlich fit bist.

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  4. Liebe Shirani,

    nach unserem Kontakt gestern über FB musste ich heute direkt nochmal in Deinem Blog stöbern! Und bin direkt in der Yoga-Sektion hängegengeblieben, da haben wir nach mehr gemeinsam außer der Indien-Leidenschaft :-). Habe mich so wiedergefunden in Deinem Artikel über die Yogalehrerausbildung, mit dem Unterschied, dass ich meine bei 35 Grad im tropischen Goa gemacht habe!

    LG aus München,
    Alex

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